Ein neuer Ausflug steht an. Diesmal übers Wochenende, es geht an den Strand! Nach Mompiche, genauer genommen. Mit Felix, Annika, Edwin und Talis geht‘s dort in ein Bambushaus, drei Etagen, vier Schlafzimmer und direkt am Strand.
Gesagt getan schmeißen wir unsere Badesache in den Rucksack und stellen den Wecker auf 6 Uhr. Um 7 Uhr wollen wir von Mindo los, wir treffen uns an der Brücke. Erster Weg geht mit dem Taxi von Mindo nach Los Bancos, wo die Busfahrer uns beim Aussteigen aus den Autos schon abpassen, um uns in den „richtigen“ Bus zu setzen. Abpassen, für alle die noch nie in Ecuador waren, heißt: Du wirst angebrüllt wohin du willst, wohin die nächsten Busse fahren, wohin du gehen sollst. Laut, aber hilfreich. Richtig ist dabei aber nicht mehr als Auslegungssache, denn das beste, was man tun kann, ist sich weiterzuhanteln – von Bus zu Bus, bis man dort landet, wo man eigentlich hinmöchte. Naja, wir enden im Bus nach Santo Domingo, knapp zwei Stunden Fahrt liegt vor uns. Die verschlafe ich großteils, der Rest der Truppe auch. Der Busfahrer hat uns zuvor auch schon das Geld für die nächste Busetappe abgenommen und setzt uns in Santo Domingo gleich in den nächsten Bus nach Pedernales. Weitere zwei Stunden Fahrt.
Währendessen muss Felix über sich ergehen lassen, dass wir ihn in den Bussen ständig besingen – immerhin ist ja sein Geburtstag. Also gibt‘s Gesang, Geschenke und einen Yumbos Brownie von Julia und mir. Kerzen ausblasen muss er auch, aber Feuer und Bus? Eher eine schlechte Kombi. Also suchen wir ein Bild von brennenden Geburtstagskerzen raus und er hat ganz schön zu kämpfen, die auszublasen 😉
In Pedernales schmeißen sie uns am Busbahnhof raus. Der ist riesig und ewig viele Busfirmen fahren von hier weiter. Für uns ist das meiste aber kaum brauchbar: wir können jetzt bis 15 Uhr, also zwei Stunden, warten und den direkten Bus nehmen, der uns nach Mompiche ins Dorf bringt. Oder wir versuchen unser Glück mit dem nächsten Bus Richtung Mompiche und schauen, wie wir von da weiterkommen. Also landen wir im nächsten Bus in ein Minidorf namens Chamanga, eine Stunde später werfen sie uns raus und setzen uns für die letzten 40 Minuten in den Bus zum Y von Mompiche. Dort geht‘s dann endlich mit dem Taxi ins Dorf, mittlerweilse ist es 15/15:30 Uhr.
Wir checken unsere Unterkunft aus, die ganz viel Platz bietet. Aber wenig feste Wände, wir bekommen noch am ersten Abend Besuch von einer Ratte, einem Frosch und einer Eidechse. Die sind aber alle schnell davon, sobald man sich nähert. Trotzdem wird das Essen rattensicher gemacht und in den Kühlschrank gestopft.
Den Abend verbringen wir damit Felix noch ein letztes Mal zu besingen, in der Küche hängt jetzt eine pinke glitzernde Girlande: Feliz Cumpleaños wurde zu Felix Cumpleaños. Danach schauen wir Fluch der Karibik mit Trinkspielregeln, die ich ständig vergesse. Lustig ist es jedenfalls, aber dann sind auch alle happy ins Bett zu gehen.
Baby Überraschung
Der Freitag beginnt entspannt: nach dem Frühstück marschieren wir den benachbarten Strand entlang zu einem Aussichtspunkt auf Mompiche und ihre Bucht. Der Plan für Nachmittag wäre zu Fuß zum Playa Negra, der schwarze Strand, und weiter zur Bootstation zu gehen, von wo wir auf eine Bootstour durch die Mangroven hoffen. Wir kommen aber nicht weit, weil irgendein Insekt Edwin in den Knöchel sticht. Der Arme kann bald nicht mehr auftreten, also drehen wir um und Talis und Felix tragen ihn abwechselnd zurück zum Haus. Dort beschließen Edwin und Talis zuhause zu bleiben. Der Rest begibt sich auf die Suche nach einem TukTuk, damit wir zum kleinen Bootshafen fahren können.
Dort findet sich recht schnell ein Typ der uns in die Mangrovenwälder hineinführt und einiges erzählt. Mangroven, lerne ich, sind Bäume die im Wasser wachsen. Drei verschiedene Arten wachsen hier zwischen dem Festland und der benachbarten Insel Portete. Es ist beeindruckend, wie das wilde Geflecht an Wurzeln sich durchs Wasser zieht. An einer Stelle dockt der Bootsfahret mit uns an und wir dürfen auf die Mangroven klettern. Wir haben Spaß und es landet auch niemand im Wasser, außer ein Ast, der dem Versuch sich daran anzuhalten, nicht standhält.
Zurück am Boot fragt der Bootsfahrer, ob wir noch auf Portete schwimmen gehen wollen. Ja, why not? Wir hüpfen also vom Boot, holen uns ein Eis und marschieren zum Strand. Felix hat eine Schaukel in Erinnerung, die wir suchen wollen und auch recht schnell finden. Dort springen wir ins Meer, sogar ich trau mich rein. Die Sonne steht langsam tiefer am Horizont, während wir versuchen über die seeehr großen Wellen zu springen. Ganz schön witzig, wir trinken auch nur ganz wenig Meerwasser. Als wir aus dem Wasser gehen ahnen wir noch gar nicht, welche Überraschung noch auf uns wartet.
Direkt neben uns graben nämlich ein paar Menschen ein Loch in den Sand. Wir sind erst verwirrt, Felix fragt sie mal was los ist. Und da ist sie: Die erste Babyschildkröte! Zum Wasser ist der Weg ewig. Wir feuern sie an, sie ist so so klein. Nicht mal so groß wie meine Handfläche.
Ein Mann neben uns, Sandro heißt er wie wir später erfahren, arbeitet auf Portete in der Schildkrötenaufzucht. Jede Nacht sucht er den Strand nach Eiern ab, die dann zum brüten auf die Station kommen. Er erzählt, dass er erst kurz zuvor rund 400 kleine Schildkröten ausgesetzt hat, die jetzt ihren Weg ins Meer suchen.
Und er verrät uns, dass ein paar Meter den Strand runter noch ein paar Babys grad zum Wasser krabbeln. Wir lassen alles stehen und liegen und laufen los, das müssen wir sehen. Und da sind sie: 15 bis 20 kleine Schildkröten, die sich durch den Sand kämpfen. Im orangenen Licht vom Sonnenuntergang sind sie wie schwarze Punkte im Sand. Wir fieber extrem mit, wie sie es mühsam zur Wassergrenze schaffen. Ein paar schnelle werden von den ausgehenden Wellen ein Stück ins Wasser gezogen, die nächste Welle spült sie wieder an den Strand. Es ist kaum auszuhalten da zuzuschauen. Irgendwann ist Sandro auch wieder bei uns und meint, wir können sie ins Wasser setzen. Wir freuen uns so extrem, dass wir das dürfen. Jede einzelne Babyschildkröte heben wir vorsichtig hoch und setzen sie ins Wasser. Es braucht teilweise ein paar Anläufe, bis sie nicht mehr an Land gespült werden. Wir können kaum fassen, wie viel Glück wir haben, das beobachten zu dürfen.
Felix hat in der Zwischenzeit mit Sandro ausgehandelt, dass wir ihm vielleicht eine Nacht in der Station besuchen und bei der Eiersuche helfen. Dass das leider nichts wird, wissen wir da noch nicht. Das Angebot schlagen wir aber natürlich nicht aus. Mittlerweile ist es aber fast stockdunkel, unser Bootfahrer wartet auf uns. Also huschen wir schnell zurück, um aufs Festland zu übersetzen. Dort sind wir natürlich aufgekratzt und freuen uns so so sehr über das, was wir grad erleben durften. Mit dieser drüber-Energie fahren wir zurück nach Mompiche, wo wir Edwin und Talis die Ohren aberzählen und Nudeln mit Gemüsesauce fürs Abendessen kochen.
Der Drachen vom Playa Negra
Nach dem Frühstück am Samstag starten wir einen neuen Versuch den Playa Negra zu erwandern. Letztlich ist es auch nicht so weit und damit wir auch wirklich nicht verlaufen begleiten uns zwei Hunde aus Mompiche den ganzen Weg. Und bleiben auch bei uns, bis wir wieder in Mompiche sind.
Am Playa Negra genießen wir aber erst einmal den Strand mit dem schwarzen Sand, der weicher ist als alles, was meine Füße bisher gespürt haben. Julia und ich versuchen eine Sandburg zu bauen, aber der Versuch findet bald ein Ende, weil es wichtigeres gibt: Talis findet einen ewig langen Baumstamm, dessen ein Ende ausschaut wie ein Drachenkopf. Den Drachen müssen wir jetzt alle einmal reiten und habens lustig damit. Danach reiten wir alle noch die Wellen, die nochmal höher sind als am Tag davor auf Portete. Edwin und Talis versuchen sich behelfsmäßig ein Holzstück als Surfboard zu verwenden, währenddessen jagt Annika die Hunde über den Strand, bis die ko in den Sand fallen. Es ist gemütlich da, besonders weil außer uns sechs niemand auf dem Strandstück ist. Ich bin fasziniert von der Weite und der Freiheit, die sie mit sich bringt. Hier kann man rennen, sich herumjagen und sich mit Sand abschießen – alles egal, für alles ist Platz. Nach einer Weile sind wir alle müde und spazieren mitsamt den Hunden zurück nach Mompiche, wo Julia versucht mit Sandro die Übernachtung auf der Schildkrötenstation zu checken. Recht bald wird klar, dass das nichts werden wird – erst gegen 9 Uhr abends kommt das OK, dass wir kommen können. Das lassen wir aber, spielen stattdessen Karten und gehen ins Bett.
Immerhin müssen Julia und ich am Sonntag schon zurück nach Mindo. Simpel, denken wir uns. Über Esmeraldas sollte es ja mit dem Direktbus schnell zurückgehen. Um 11 Uhr reiten wir also aus Mompiche aus, um nach zwei Stunden mal in Esmeraldas zu stranden. Der Bus, den wir angedacht haben, ist grad weggefahren und der nächste ist voll. Also satteln wir um und dingeln ewiger Zeit nach La Condordia, wo sie uns noch mitten auf der Straße in den nächsten Bus mach Mindo verfrachten, damit wir den nicht verpassen. Kurz vor 20 Uhr haben wir es dann nach Mindo, zurück in den Temple II, geschafft. Mit all unserem Gepäck, unseren gefüllten Kameraordnern am Handy und großartigen Erinnerungen an winzig kleine Schildkröten.












