Von Sternen und Ballons

Nach drei Wochen Bolivien beschließen wir: Genug ist genug. Wir hatten genug Hunger, genug Sorgen um Bargeld, genug Struggels, die Busse zu managen. Versteht mich nicht falsch: Bolivien ist wunderschön. Mehr als wunderschön. Aber zum Reisen anstrengend, weil die Infrastruktur einfach nicht gut ist. Und wer einmal drei Wochen lang nicht wusste, wann wo und wie mensch an Essen kommt… wir sind an unsere Grenzen gekommen.

Und die nächste Grenze, die uns anschauen, ist dann wieder eine Landesgrenze. Nämlich die zwischen Bolivien und Chile. Von Uyuni aus nehmen wir den Bus nach San Pedro de Atacama, ganz im chilenischen Norden wollen wir uns die Wüstengegend anschauen. Soll super schön sein. Wir finden’s für euch raus.

Heiß gekocht, kalt gegessen

Um nach Chile zu kommen gilt es aber die Grenze erfolgreich zu überqueren. Von allem, was uns bisher erzählt wurde, ist das nicht so einfach. Die Regeln sind streng: Keine tierischen oder pflanzlichen Produkte mitnehmen, allen voran. Wir bereiten uns toll vor, sitzen angespannt im Bus und dann… dann fragen sie uns nur, ob wir Obst mithaben. Nein? Dann viel Spaß in Chile. Schon sind wir wieder in einem neuen Land, planmäßig für sechs Nächte. Es wird am Ende nie so heiß gekocht, wie gegessen.

Den ersten Abend in San Pedro verbringen wir ziemlich hinüber von der Busfahrt. Wir checken in unsere kleinen Schlafkojen im Damenschlafsaal ein, die ich bald nur noch als „Hundehütten“ bezeichnen werde. Dann machen wir eine kleine Runde durch die Stadt, das Touriviertel begrenzt sich im Groben auf eine Straße. In der gibt es hunderte Touragenturen und noch mehr Souvenirläden. Und, darüber freuen wir uns am Meisten: VEGANES ESSEN!

Den nächsten Tag verbringen wir damit auszukundschaften, welche Ausflüge wir eigentlich machen wollen. Oder doch lieber ein Auto ausborgen, vielleicht ist das besser und billiger? Nein auch nicht wirklich. Eine Sternentour machen wir aber jedenfalls. Oder vielleicht sogar eine Ballonfahrt, aber wer bietet die überhaupt an?

Am Ende werden es drei der üblichen Ausflüge: Wir sehen eine Salzlagune, in der wir herumtreiben. Du versuchst die Beine unter Wasser zu bekommen? Viel Erfolg. Wir besuchen das Valle de Arcoiris, also das Regenbogental, mit wunderschönen Vulkanbergen in grün, grau, rot und lila. Und wir buchen uns in eine kleine Wanderung zu einem Badeplatz an einem Fluss ein. Der ist wunderschön klar und warm, weil weiter flussaufwärts das Wasser vom Vulkan zu heißen Quellen kommt. Die heißen Quellen lassen wir aus, aber das Wasser im Fluss ist angenehm genug, um uns dort mit einem älteren Paar aus Australien eine Stunde zu unterhalten, die wir unsere Adoptivgroßeltern taufen.

Hoch hinaus, tiefer Fall

Wir finden letztlich eine Möglichkeit die Ballonfahrt zu buchen. Schweineteuer, aber ich beschließe, dass es mir das Wert ist. Julia auch, trotz Höhenangst. Wir werden noch im Dunkeln des Morgens aufgegabelt und aus der Stadt in die Wüste gebracht. Dort erwartet uns ein Ballon, noch flach am Boden. Wir kriegen eine Einweisung und ein erstes kleines Frühstück, bevor wir abheben. Wir, ein Paar aus Frankreich, eine Frau aus Brasilien und acht Boomer-Männer aus Argentinien. Letztere erheitern uns sehr, die freuen sich wie kleine Kinder in der Luft zu sein. Die Sonne geht über den Bergen hinweg auf, Argentinien liegt hinter den Bergen hat mensch uns erklärt. Unter uns erstreckt sich die karte Wüstenlandschaft, Vulkane säumen den Horizont. Weit und breit ist hier nichts, außer ein paar kleine indigene Dörfer, die sich mitten ins Nichts gebaut haben.

Irgendwann fragen die Männer, ob sie ihre Drohne steigen lassen dürfen. Mit dem Go des Piloten geht besagte Drohne neben dem Ballon in die Luft. Aber statt nach den Fotos wieder zu landen, steigt sie auf, knallt gegen den Ballon über uns (der übrigens keine Reaktion zeigt) und fällt dann wie ein Stein hinunter. Wir schauen ihr nach, wie sie sich überschlägt, bis wir sie über dem Wüstenboden nicht mehr sehen können. Die Truppe ist außer sich, wir lachen sie eine Runde aus. Die Fahrt geht noch ein wenig weiter, wir wissen gar nicht so recht wohin wir zuerst schauen sollen. Dann, nach rund einer Stunde, sinken wir langsam wieder ab und landen. Wir bekommen ein Frühstück, die Männer platzieren sich auf der Ladefläche des Autos der Bodencrew und fahren los, um die Drohne zu suchen. Ja, ACHT Mann hoch. Zu unserer Überraschung finden sie sie wieder. Auch sie kriegen noch Frühstück und Sekt und dann geht’s wieder zurück in die Stadt. Und für uns noch eine Runde ins Bett, happy schlafen wir noch ein paar Stunden.

Sterne schauen

Das zweite absolute Highlight der Woche ist aber eindeutig die Sternentour am zweiten Abend. Wir werden von der Stadt ein paar Kilometer hinausgebracht. In einem stockdunklen Garten werden wir mit Glühwein und Decken versorgt und dann dürfen wir uns unter dem Sternenhimmel platzieren und staunen. San Pedro zählt zu den besten Orten der Welt um Sterne zu schauen, die Lichtverschmutzung geht fast gegen null. Und das merken wir sofort: Wir haben den Blick und werden von einer unglaublichen Masse an leuchtend-glitzernden Sternen erschlagen. Unser Guide des Abends, Rene, erklärt und Sternenbilder und wie wir die Sterne der südlichen Hemisphäre zum navigieren verwenden können. Dann geht’s noch zu den Teleskopen, um uns alles genauer anzuschauen. Abschließend schießt Rene noch Fotos von uns mit dem Sternenhimmel und entlässt uns. Nicht aber, ohne uns gut eine Runde veräppelt zu haben. Irgendwann an diesem Abend gibt er mir den Spitznamen Trusty und sagt uns, wir sollen ihm schreiben für Tipps rund um San Pedro.

Die Tipps holen wir uns, genauso wie die Einladung bei ihm am Haus Sterne zu schauen. Wir marschieren also an unserem letzten Abend zu ihm, mit Apfelkuchen im Gepäck, und quatschen übers Reisen, studieren und das Leben. Dann gehen Julia und ich Sterne schauen. Auch hier, so nah an der Stadt, sind sie wunderschön.

Der Abend entpuppt sich als ein letzter Ausflug hier in San Pedro: Die Sternentour ist nicht voll und wir dürfen nochmal mit, ganz umsonst. Wir borgen uns also warme Sachen von Rene aus, checken uns noch Empanadas als Abendessen und schon sitzen wir wieder unter dem Sternenhimmel. Julia ist happy, ich auch. Die Nacht wird kurz, denn am nächsten Morgen geht um 7:30 Uhr der Bus weiter nach Argentinien. Aus sechs Nächten sind acht geworden, wir bereuen sie nicht.

6 + 2 = zu viel

Trotzdem müssen wir feststellen: San Pedro ist teuer. Für Essen zahlt man hier genauso viel wie in Wien. Der vegane Brunch kostet umgerechnet 15 Euro, der Cocktail mit Wein knapp 8. Wir merken, dass uns das nach Bolivien und Peru ziemlich umschmeißt. Gleichzeitig bereitet uns das schon auf die Einkäufe beim Billa zuhause vor, die sich unweigerlich an uns annähern.

Die Woche in San Pedro sprengt unser Budget. Wish us luck für die nächsten Stopps, wir wurden schon gewarnt.

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