Unsere letzte Zeit in Mindo war geprägt von… Katzen! Denn was macht man, wenn das Forschungsprojekt fast fertig ist, die Luft ein bissi raus ist, aber die Zeit zum Weiterreisen noch nicht ganz gekommen? Richtig, auf sieben Katzen gleichzeitig aufpassen.
Der Jänner beginnt mit traurigen Katzennews: Rosalía, meine kleine Katze vom Volontariat damals, ist gestorben. Woran, weiß keiner so richtig, vermutlich vergiftet. Die Zeit nach dieser Nachricht ist geprägt vom Nachsinnen, warum jemand so etwas Grausames macht und irgendwie zieht es mich gar nicht so richtig mehr nach SALEM. Da fehlt etwas.
Als ich mich schließlich doch überwinde, zeigt mir mein ehemaliger Chef den wunderschönen Platz, den sie als Rosalísa Grab auserkoren haben: Mitten im Garten zwischen Bananenbäumen. Ich glaube, dort gefällt es ihr. Ganz nebenbei lässt er fallen, dass es Babykatzen gibt. Ob wir sie sehen wollen? Und ehe wir uns versehen, ist die Trauer ein bisschen leichter und wir haben flauschige, fauchende Knäuel auf dem Schoß. Unsere Mission für die nächsten Wochen: Den Katzis beibringen, dass Menschen gar nicht so böse sind, damit sie dann vermittelt werden können. Und wäre das nicht genug gibt es noch einen Katzennotfall: Canela, die Bürokatze, ist von einem Hund gebissen worden und kommt gerade vom Tierarzt zurück. Wir nehmen sie über Nacht in Pflege. Bis jetzt habe ich es gut geschafft, alle möglichen Angebote, Arbeit zu übernehmen auszuschlagen, aber bei Katze kann mein Herz nicht anders. Vor allem, weil die Katzen ja schon während des Volos meine Babys waren. Und ehe wir uns versehen sind wir in ganz SALEM als die „voluntarias de las gatas“ (Katzenfreiwilligen) bekannt.
Der Vorteil am Katzensitten ist, dass wir auch am Wochenende nach SALEM können und die Ruhe genießen, die ich schon vor vier Jahren dort so genossen habe. Ein Eichhörnchen, ein paar Guatusos und die Katzen leisten uns Gesellschaft. Leider auch ein paar Hunde, auf die wir halt gerade nicht so gut zu sprechen sind. Katzen beißen geht halt echt nicht.
Am Ende der Woche haben wir aber einige Erfolge zu feiern: Die Bürokatze ist wieder wohlauf und die Wunde fast verheilt, obwohl sie sie natürlich wieder aufgebissen hat. Sie ist nur ganz arm und braucht den ganzen Tag extrem viele Streicheleinheiten. Michu, die andere Katze, lässt sich von Vanessa streicheln und hochheben. Und die drei kleinen Katzen, die wir auf die Namen Chili, Poppy und Yuca getauft haben, fauchen nicht mehr ganz so viel. Sie sitzen lieber auf unseren Schultern, kuscheln, lassen sich sogar baden und beehren uns nur mehr manchmal mit einem nach Fisch riechenden Fauchi mitten ins Gesicht.
Ein paar Lektionen haben aber nicht nur die Katzen, sondern auch wir gelernt:
- Wir wollen keine Kinder. Nachdem uns die kranke Katze eine ganze Nacht angeschrien hat, haben wir nur einen Vorgeschmack darauf, was es heißt ein kleines Baby zu haben.
- Geduld zahlt sich aus: Die drei kleinen Fauchis haben uns mittlerweile sehr lieb und wir sie auch. Ich hoffe, sie finden ein nettes Zuhause.
- Katzis baden ist gar nicht so schwierig.
- Und wir haben mittlerweile genug Katzenpflegeerfahrung, dass wir eine Pflegestelle vom Tierheim werden könnten. Vielleicht versuchen wir das daheim mal.
- Es gibt tatsächlich auch zu viele Katzen. Sieben ist eine Grenze. Drei kleine Babykatzen, eine kuschelbedürftige verletzte Katze, zwei weitere hungrige Katzen und eine Katze in unserem Haus sind dann wirklich mehr als genug.
Kuschelige und fauchige Grüße aus Mindo.
