Heute haben wir tatsächlich den Rucu Pichincha bestiegen, einen 4696 Meter hohen Berg und Vulkan. Der Vulkankrater ist allerdings am anderen Gipfel, den wir auch nochmal besteigen wollen. Heute ist aber mal der Rucu dran. Wie lange man zum Gipfel braucht und wie kalt es dort werden kann, haben wir versucht im Vorfeld zu eruieren. Ohne großen Erfolg, die Spanne liegt zwischen zwei und vier Stunden Aufstieg und 0 bis 15 Grad am Gipfel. Na schön.

Nach dem Frühstück bei Astrid (es gibt in Quito Nutella!!) geht es zur Seilbahn Teleferiquo. Die befördert uns mal auf 4000 Meter Höhe. Bei einer wunderschönen Aussicht schmieren wir gleich nochmal Sonnencreme nach, die braucht man heute. Das Wetter ändert sich aber im 5 Minuten Takt, ich bin nur mit Anziehen und Ausziehen beschäftigt. Ob das so bleiben den ganzen Tag? Spoiler: Nein. Aber das hat uns dann auch nicht gefallen.


Das erste, was wir nach einem Rundumblick auf diverse Vulkane entdecken, sind Schaukeln. Wolkenschaukeln genannt. Da muss gleich mal ausführlich geschaukelt werden und Fotos gemacht. Lucy springt herum und freut sich über die schöne Wiese. Sie läuft auch mal zu fremden Leuten, was hier aber keinen stört. Aber ich habe das Gefühl, die Menschen hier haben generell eine andere Einstellung zu Hunden und generell Haustieren als in Österreich. Sie werden selten als störend wahrgenommen, sondern eher freundlich begrüßt.

Dann setzt sich eine Wandertruppe mit acht Leute plus Hund in Bewegung in Richtung Gipfel. Astrid möchte uns mit Lucy ein Stück begleiten, Edwin ist auch mit dabei, Eve hat noch ihre Schwester und zwei Freundinnen mitgebracht. Kurz nach Astrid lassen wir aber auch diese beiden am Aussichtspunkt zurück, sie machen sich an den Abstieg. Übrig bleibt eine 5-köpfige Gipfelstürmer_innentruppe. Nicht ganz die Hälfte der Gruppe haben wir verloren, ist das eine gute Statistik?

Es gibt nur einen Weg Richtung Gipfel, was ganz praktisch ist weil man sich nicht verlaufen kann. Anstrengende, steile Passagen wechseln sich mit flacheren ab. Der Gipfel ist noch nicht in Sicht, noch in den Wolken und hinterm Berg versteckt. Felix hängt den Lautsprecher an den Rucksack und macht Musik. Damit gehts viel besser.

Dann teilt sich der Weg für ein Stück, Edwin und Felix wählen natürlich den “paso de muerte”. Aber weil ich heute meine Mädels dabei hab, muss ich ja nicht alle Waghalsigkeiten mitmachen. Wir spazieren den Weg rund um den Berg weiter. Der beschert uns einen eindrucksvollen Ausblick. Den verfluche ich aber langsam, denn ich will gar nicht wissen wie weit es da neben dem Weg runter geht. Dann kommt ein kurzes Kletterstück. Ein Fuß weiter, dann eine Hand, langsam. Als ich kurz davor bin das Klettern sein zu lassen, sind auf einmal 4 Leute um mich herum, um mir zu helfen. Ein Guide, eine andere Wanderin, Eve und Nati. Nagut, dann klettere ich halt weiter, wenn ihr das sagt. Felix und Edwin tauchen auch wieder auf.

Kurz darauf finden wir eine  netten Platz zum Essen, die Pause Ist langsam dringend notwendig. Hier oben ist überraschend viel Vegetation. Manche von den Pflanzen überziehen weich die Steine, das ist die perfekte Sitzgelegenheit. Mittlerweile wird es auch kühler, eine Jacke ist langsam angebracht. Und während wir da sitzen und Zwieback und gebrannte Erdnüsse essen, erreicht uns aus Österreich die Nachricht, das Kurz zurückgetreten ist. Die österreichische Politik kann man ja auch nicht allein lassen.

Weiter geht’s, die Wege werden steiniger, immer wieder muss man ein bisschen klettern. Ich gehe das motiviert, aber langsam an. Despacito. Und jedes Mal bei diesem Wort kommt mir besagtes Lied in den Kopf. Dabei geht es auch ums besteigen, aber nicht um einen Berg. Aber lassen wir das, blöder Ohrwurm.

Das letzte Stück bis zum Gipfel besteht nur mehr aus Sand und Felsen. Erstere ist ziemlich unpraktisch zum Klettern. Es gibt keinen Weg mehr, jede_r schaut selber wies am besten weiter geht. Viel geht eh nicht weiter, den  alle 5 Meter bin ich so außer Atem wie nach einem Kilometer laufen. “Bienvenidos a las alturas ecuadorianas”, sagt Eve, als ich mich darüber beschwerte. Unsere Freund_innen stecken die Höhe ein bisschen  besser weg. Vielleicht liegt das daran dass sie schon ihr ganzes Leben auf über 1200m Höhe verbringen.


Nach einer nie enden wollenden Kletterpartie sind wir schließlich endlich da. Am Gipfel 4696 m. Unter und um uns andere Berge, weite Wiesen, Wolken. Schnell werden Beweisfotos gemacht und dann wollen wir eigentlich gemütlich Essen. Eigentlich. Praktisch zieht nämlich auf einmal Nebel auf, so schnell, dass es ein Zeitraffer sein könnte. Futsch ist der schöne Ausblick. Und die Gemütlichkeit auch, denn bei Nebel schleunigst absteigen, haben uns alle Reiseführer eingeschärft. Etwas überstürzt wird also zusammemgepackt, um das eben erst erklommen Stück wieder hinunterzusteigen. Dabei merkt man wieder die Freundlichkeit der Leute hier. Ein Mann positioniert sich ganz selbstverständlich an einem schwierigen Stück und hilft allen hinunter. Und beim Abstieg erweist sich der Sand als durchaus praktisch. Man kann einfach im Stehen runterrutschen, ein bisschen wie Snowboarden ohne Snowboard. Das ist wesentlich lustiger als der Aufstieg. Und der Nebel hat auch seine Vorteile, zumindest sieht man nicht mehr, wie weit es runter geht.


Dann wird es aber ungemütlich, fängt an zu tröpfeln, in der Ferne ist Donner zu hören. Schnellen Schrittes geht’s weiter, besonders unsere ecuadorianischen Freund_innen habens eilig. Nein, jetzt wird keine Pause gemacht, auch nicht für Pipi gehen. Erst in einer Hütte nah der Gondelstation machen wir Halt. Alle haben Hunger und Felix möchte das Essen eh schon sein 2h nicht mehr tragen.

Gestärkt machen wir uns an das letzte Stück, der Rucksack wirkt leichter und die Beine funktionieren wieder. Die Vorfreude aufs Heimkommen wird uns aber schnell genommen: Von einer megalangen Schlange vor der Gondel. Und wenn ich megalangen sage, meine ich megalang. Mittlerweile hat es angefangen zu Schütten und wir müssen den Regen, dem wir eigentlich entfliehen wollten, doch noch auskosten. Nach 2 Stunden warten im Regen sind wir durchgefroren und haben keine Lust mehr. Aber wir sind endlich in der Gondel. Es ist finster mittlerweile. Ganz kurz habe ich einen verregneten Ausblick auf das nachbeleuchtete Quito. Dann verschluckt uns wieder der Nebel, ich warte nur noch darauf, dass Dementoren kommen.

Bei Astrid begrüßt uns Lucy stürmisch. Wir wickeln uns aber erst mal in Decken und Westen ein, Tee und eine warme Dusche helfen auch. Astrid kocht währenddessen Abendessen. Danach geht’s auch direkt ins Bett ich bin nur erledigt. Kopf, Lunge, Schultern, Knie, es tut einfach alles weh. Aber ich will nicht jammern, das wäre zu österreichisch. Also falle ich wie ein Stein in Astrids Gästebett und schlafe nur noch.

4 Kommentare

  1. ¡Hola Julia!
    Ahora que hemos vuelto a leer tu blog, es bueno que tengas la oportunidad de explorar las montañas de tu zona. Ni siquiera yo (Joe Apellido : Bergfex) he estado todavía a una altitud de 4700m. Acabo de mirar las temperaturas medias de Quito, ¡ni siquiera hay nieve a 4700m! Te enviaré una foto en cuanto nieve para que no olvides la vista. Esperamos que tú y tus amigos estéis bien y os divirtáis juntos. Os deseamos lo mejor a ti y a Butterbrot.
    Con cariño de Heidi y Joe

    Traducción realizada con la versión gratuita del traductor http://www.DeepL.com/Translator

    • Hola Joe y Heidi,
      Qué alegría que encontraron el traductor deepl. Eso yo también uso mucho para traducir textos. Es mucho más fácil como hacer todo en mano.
      La montana era realmente desafiante. Pero me gustan los desafíos. Nieve sí puedes encontrar en Ecuador. En la Sierra hace mucho frío y en las montanas mas altas, como el Cotopaxi o el Chimborazo hay mucha nieve. Por eso necesitas un buen equipamiento para subir estos. Para mí el Pichincha era suficiente para ahora. Y seguro que voy a ver nieve cuando regreso a Austria.
      Saludos de Julia y Butterbrot

  2. Hallo Julia,
    Muss eine ziemliche Herausforderung sein, ohne viel Vorbereitung auf einen 4700m hohen Berg zu steigen. Da muss die Luft ja schon sehr dünn sein. Aber wenn man die Gelegenheit dazu hat, muss man das machen.
    Habe heute einmal viele deiner Beiträge gelesen und mit vorgenommenen, jetzt regelmäßig reinzuschauen. Ist wirklich alles sehr interessant. Das ist im Vergleich zu uns, eine komplett andere Welt in der du dich gerade bewegst.
    Ich wünsche dir für deinen weiteren Aufenthalt alles Gute . Der nächste Kommentar läßt sicher nicht so lange auf sich warten, wie dieser getan hat
    LG O. Fritz

    • Hallo Onkel Fritz,
      wie schön, dass du hier auch mitliest 🙂
      Das stimmt, der Berg war wirklich nicht ohne. Ich lass mich hier auf so einige Abenteuer ein und schaue einfach mal wie weit ich komme. Meistens klappt das ganz gut.
      Und wie wahr, es ist ein bisschen eine andere Welt hier. Ich bin schon froh, dass ich dem teils stressigen Leben in Österreich für eine Zeit entfliehen kann und diese Erfahrungen hier machen darf. Bin schon sehr gespannt, wie es dann ist wieder zurückzukommen in die “andere Welt”. Aber derweil geniesse ich es sehr hier.
      Liebe Grüße,
      Julia

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